Meine Geschichte

...schön schwanger!
...schön schwanger!

Meine Schwangeschaft verlief normal bis ...

 

Am Tag vor der Geburt war ich zur Kontrolle im örtlichen Krankenhaus, weil sich die Ärzte Gedanken um unser Kind gemacht haben, die Größe des Oberkörpers sollte nicht zur Schwangerschaftswoche passen. Außer einer Erkältung, Müdigkeit, und Abgeschlagenheit wurde bei mir nichts festgestellt. Ich sollte nach dem Wochenende zur Einleitung wiederkommen.

     

Ich galt als gesund...

 

... bis zum Zeitpunkt der Geburt genau einen Tag später.

 

Ich war nachmittags mit meinem Mann beim Sommerfest meines Arbeitgebers und zu Hause abends angekommen, bekam ich einen Blasensprung. Die Geburt stand kurz bevor und wir fuhren in die Klinik. Ich wurde ans CTG angeschlossen und es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Ich lag ungefähr fünf Stunden in den Wehen, hatte Schmerzen, bekam ganz schlecht Luft, hatte Husten und hustete bei jeder Wehe vor mich hin und ich hatte das Gefühl zu ersticken... Mein Muttermund öffnete sich kaum, die Herztöne von mir und unserem Kind verschlechterten sich, so dass die Ärzte entschieden einen Not-Kaiserschnitt durchzuführen. Ich hatte keine Angst, war froh von den unerträglichen Schmerzen erlöst zu werden und war froh über ein baldiges Ende der Geburt. Ich freute mich auf unser Kind. Mein Mann hatte wahrscheinlich schon ein ungutes Gefühl. Ich erinnere mich, dass ich ihn beruhigte, als ich in den Op geschoben wurde.

 

Niemand hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch nur eine geringe Vorstellung davon, was unter der Geburt passierte!!!

 

Die nächsten Wochen kenne ich nur aus Erzählungen... Ich wurde nach der Geburt nicht wach und mit Verdacht auf eine schwere Lungenentzündung ins künstliche Koma gelegt. Mein Zustand war schlecht... Verschlechterte sich in den ersten Tagen nach der Geburt dramatisch, so dass ich in großer Lebensgefahr war. Ich hatte eine schlechte Herzleistung, war auch allgemein in einem sehr schlechten Zustand und bekam im örtlichen Krankenhaus eine IABP-Pumpe eingesetzt. Diese Pumpe ist ein notfallmedizinisches Hilfsmittel zur Unterstützung der Herztätigkeit, wenn Medikamente und Beatmung nicht ausreichend sind. Mein größter Schutzengel sorgte dafür, dass der Chefarzt der Klinik in Bad Hersfeld, Dr. Reinhard Funck, seine Kollegen in Hannover an der Medizinischen Hochschule kontaktierte. Dort forscht Frau Prof. Dr. Hilfiker-Kleiner an einer seltenen Herzerkrankung, die durch die Spaltung des Stillhormons Prolaktin ausgelöst wird und verordnete mir das Medikament Bromocriptin zur Prolaktinhemmung. Dieses Medikament bekommen Frauen, wenn sie Abstillen wollen; die Milchbildung wird unterbunden. Das Medikament wird im Zusammengang mit PPCM zwar noch erforscht, half in meinem Fall, dass ich verlegungsfähig war und mit dem Rettungshubschrauber (an der Herz-Lungen-Maschine angeschlossen) nach Hannover geflogen wurde. Ich lag weiterhin auch in Hannover im Koma. Bis auf meinem Mann und meine Familie glaubte zu diesem Zeitpunkt kaum noch einer an ein Überleben! Ein Spenderherz war kurzfristig nicht greifbar, so dass ich ein Linksherzunterstützungsgerät, genannt "Kunstherz" implantiert bekam, was mein Leben rettete... Das Medikament Bromocriptin zeigte weiterhin seine Wirkung.






Nach fast vier Wochen erwachte ich langsam aus dem Koma, hatte von allem nichts mitbekommen.Ich wusste nicht, wo ich war (nur, dass es nicht das Krankenhaus war, in dem ich entbunden hatte) und überhaupt nicht, was alles passiert ist. Ich war Mutter eines kleinen, kerngesunden Jungen und hatte eine offene Wunde, durch die ein Schlauch aus dem Bauch kam und die täglich steril versorgt werden musste. Ich musste den Umgang mit Akkus und Controller lernen, weil mir ein Kunstherz angeschlossen wurde. Meine Welt brach zusammen... Ich wurde künstlich ernährt, hatte Katheter jeder Art angeschlossen, konnte kaum sprechen, mich nicht bewegen, nicht sitzen, stehen, gar nichts! Meine Muskeln hatten sich in der vierwöchigen Komazeit zurückentwickelt und ich musste mit einem Team aus Krankengymnasten/Physiotherapeuten/Ergotherapie alles neu erlernen (voran Jenny Aschen, die mit mir geübt hat eine Cola-Flasche vom Boden aufzuheben, was mein Kind simulieren sollte, das auf einer Krabbeldecke liegt). 

 

Es war bisher die größte Herausforderung in meinem Leben, aber ich hatte ein Ziel... unser Kind, das seine Mutter braucht!

 

Bis heute habe ich mich ins Leben zurückgekämpft, wobei ich nie wieder mein altes Leben zurückbekommen werde, so sehr ich es mir manchmal wünsche...